Jubiläum 125 Jahre TV St. Johann Basel

Bericht 125 Jahre TV St. Johann

Punkt 16.05 Uhr traf sich eine kleine, feine und junge Delegation des STV Hallaus vor dem Hallauerhof. Zu viel Gepäck, zu sperrige Geschenke und ein rollendes Auto haben uns nicht von unserem Zeitplan abgebracht und so konnten wir DB-pünktlich in Erzingen in den Zug steigen und uns irgendwo im Zwischengang einen Platz sichern. Ab Waldshut hatte es dann auch für die jüngsten Turner Platz. In Rheinfelden komplettierte sich die Gruppe mit der Organisatorin und internen Reiseführerin. 

Im Bahnhof Basel angekommen hielten wir Ausschau nach unserem Gspändli Beat aka. Biit. Er wurde geschickt um uns abzuholen. Aber niemand holte die unbeholfene Gruppe aus dem Chläggi ab. Das Handy wurde gezückt und Biit wurde lokalisiert. Er warte beim Hauptausgang auf dem Rollator. Gut, auf zum Hauptausgang… Doch Moment! Rollator?! Gespannt eilten wir raus in die Hitze von Basel.

Eine leise Enttäuschung war ihm anzusehen, dass bereits Nachkommen von seinen Freunden aus Hallau hier waren, doch er kümmerte sich das ganze Wochenende väterlich um uns.

Wir müssen erst noch etwas trinken gehen, bestimmte Beat und lotste uns zur Tramhaltestelle. Beim nächstbesten «Restaurant» stiegen wir aus und genossen das erste Getränk in Basel. Smalltalk wurde geführt, Geschichten erzählt und erste Selfies geschossen. Bis auf einmal Hektik ausbrach und die Gläser schnell geleert werden mussten. Wir mussten weiter! 

Mit dem Tram fuhren wir nun einmal quer durch die Stadt, bis wir vor einer imposanten Kirche mit einem Haufen elegant gekleideter Menschen ankamen. «Gab es einen Dresscode…?!», raunte es durch die Menge… Aber nein, oder zu mindest nicht für uns. Wir wurden herzlich willkommen geheissen, auch ohne Namenskleber und verstauten unser Gepäck und unsere sperrigen Geschenkte auf der Empore. Eine riesige offene Kirche wie es hiess suchte sich unsere Patensektion für ihren offiziellen Jubiläumsabend aus. Offen im Sinne von nicht so streng-religiös, wenigen Bankreihen und anscheinend noch weniger Regeln, was man darf, und was nicht. In der Mitte der Kirche war ein riesen Trampolin aufgestellt. Was es damit wohl auf sich hatte…?

Wir wurden später schlauer, erst mal hiess es sich am reichhaltigen, nicht so vegetarischen Buffet zu bedienen. Ein Tisch wurde in Hallauerherrschaft genommen, eine Postkarte für den Präsidenten eingesteckt und zusammen angestossen, also, sofern man noch etwas im Glas hatte und nicht den Kirchenboden damit genässt hat…

Nach Anfänglicher scheu, fühlten wir uns immer Wohler, die Basler waren auch recht erfreut an uns und wussten noch einige Geschichten unserer Vorfahren.

Drei Nachzügler wurden erfolgreich aus allen Himmelsrichtungen zur Kirche gelotst und so war unsere Delegation auf stattliche 10 Turnerinnen und Turner angewachsen.

Die ersten Reden wurden geschwungen und das Rätsel um das Trampolin löste sich; das Nationale Leistungskader aus Liestal gab sich die Ehre und demonstrierte ihr Können auf dem Trampolin und später noch am Barren, Boden und am Pilz. Musik von den Bieranjas, Fasnächtler, die das ganze Jahr durch Musik zusammen machen, untermalte die Vorführungen der kleinen Knirpse und brachte Schwung in die Kirche.

Alle Reden waren vorbei, die beste sollte noch folgen. Leider war unser Präsident gesundheitsbedingt abwesend und die Vorstandsvertreterinnen übernahmen souverän und kurz und knapp die Geschenkübergabe. Jill (wie wir sie tauften) die OK-Chefin und der amtierende Präsidentin waren überwältigt und freuten sich. Wir waren froh, unsere Tat war getan und vor allem die sperrige Last war weg. Zeit für Fotos und natürlich Selfies, nicht zu vergessen!

Wir bedienten uns nochmals am Buffet, die einen ergatterten sogar noch Dessertstückli, füllten unsere Gläser auf und genossen die fröhliche Stimmung. Langsam zog es uns aber schon weiter. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf unser Gepäck zu holen… Doch halt! Die wohlriechende Fahne musste noch eingepackt werden. Elftausend Franken wurden dann doch nicht einfach so Basel überlassen.

Unter Anleitung von unserer Reiseführerin fanden wir unser Hostel nahe dem Bahnhof und waren froh, hatten wir keine auswärtigen Zimmerkumpanen.

Natürlich geht ein Hallauer dann noch nicht ins Bett, die Nacht hat ja gerade erst begonnen!

Mit dem Trämli stürzten wir uns auf ins Nachtleben bzw. die Bebbi-Jazz-Nacht. Eine Menge Leute, Musik und Stände mit Essen. Als man sich verlor und wieder fand war es dann Zeit für einen Mitternachtssnack! Mit überteuerten Fischchnusperli, feinen Pommes, grillierten Würsten und zu trinken setzen wir uns mitten in die Menge und genossen den Grossstadttrubel.

Satt, zufrieden und langsam müde, liessen wir den Jazz Jazz sein und begaben uns weiter. Beim Marsch durch die Einkaufsmeile wurden bereits die Must-Shop-Ziele für morgen definiert. Erst gab es aber noch einen Schlummi, bevor wir uns wieder in Richtung Hostel aufmachten.

Samstag, Tag des Foxtrails und des richtigen Festes! Es schliefen alle aussergewöhnlich lange. Die offiziell abgemachte Zeit wurde aber von allen eingehalten, ausser von denen, die sie nicht ernst nahmen. So machten sich die Frauen (!!) schon mal auf in ein Café um zu frühstücken. Man sicherte sich einen Platz und scheuchte andere Gäste davon, sodass alle sitzen konnten. Die Karte wurde studiert und man musste schliesslich noch pressieren mit bestellen, gab es doch nur bis 11 Uhr Frühstück. Als wir dann bestellen konnten und sie auch niemanden vergass, trudelten langsam auch die Herren der Schöpfung ein. Wir genossen unser bestelltes oder auch nicht bestelltes Essen oder aber auch gar kein Essen obwohl bestellt und liessen uns die Sonne auf den Nasenspitz scheinen. Als fast alle satt und die Teller und Tassen leer waren, hiess es «Auf in Richtung Shoppingmeile!»

Wir schlenderten durch die Läden, diskutierten über Kleiderläden und deren Kleiderqualität, kauften Nützliches oder auch Unnützes und schlemmten uns über den Marktplatz.

Es wurde Zeit sich auf den Weg zum Treffpunkt des Foxtrails zu machen. Die Schifflände rufte!

Wir kamen an… und niemand war da! Waren wir etwa die Einzigen?! Nicht mal die kleine Turnerin die heute noch zur Delegation stosst war hier. Wir erblickten eine ziemlich nicht motivierte Baslerin die einen kleinen, schlecht angeschriebenen Zettel mit «TV Alt St. Johann» beschriftet hielt und uns den Weg zeigte zum eigentlichen Treffpunkt. Dort wartete auch die Nachzüglerin aus Hallau!

Der Foxtrail konnte beginnen, mit wenigen Instruktionen, einem Plan, Fragen und Tickets machten wir uns auf den Weg den Weg zum Fest zu finden. Schnell war auch die Gruppeneinteilung klar, die sexy Altweiber gegen die Jungen. Unsere Wege trennten sich. Jede Gruppe machte sich eifrig auf, im Grossstadtdschungel die richtigen Antworten zu finden.

Bevor sich die beiden Hallauer Teams wieder kreuzten, wurden Antworten von Passanten erfragt, Hinweise heimlich gegoogelt, ein bisschen geshoppt und ein Erinnerungsfoto im alten Fotoautomaten gemacht! Früher hatten wir irgendwie mehr Platz in diesen Kabinen…

Am Messeturm begegneten sich d’Hallauer erstmals wieder, Zeit also für ein Selfie und jede Menge andere kreativen Fotos!

Von da an waren wir gemeinsam unterwegs, bis zum Fährbötli, wo die Alten den Jungen dann ein bisschen Vorsprung liessen.

Vor der letzten Aufgabe holten wir sie dann doch wieder ein und schmiedeten einen Plan, wir hatten ja noch ein bisschen Zeit. Wir sparten uns die letzte Antwort, waren wir doch schon genug an diesem Kunstwerk vorbei spaziert, googelten die Antwort und stürmten den nächsten Laden für eine Erfrischung. Noch kurz in den coolen Laden dort, ein Blick in diese Schaufenster und schon rief das Trämli. Doch natürlich tratt unsere Führerin wieder in den einzigen Hundehaufen in der ganzen Innenstadt! Schuhe Nummer 2 sind also voll von Fäkalien, nach dem sie das erste Paar schon am Freitag versaute und es über Nacht vor der Hostelzimmertür deponieren musste. Zum Glück war gleich ein Brunnen da!

Ein bisschen sauberer als vorher bestiegen wir nun endlich das Trämli. An der Zielhaltestelle angekommen war selbst die erfahrene, fast einheimische Reiseführerin ratlos. Wo war jetzt dieser Turm? Der Tramchauffeur meinte, wir seien komplett falsch und können alles wieder zurückfahren… Aber wir sind ja nicht von Hinterpfupfingen und waren schon richtigen, beim zweiten Mal merkte auch er, wo wir hin wollten, und konnte uns den Weg zeigen.

Am Wasserturm angekommen warteten dann unsere Basler Freunde, auch unser Kollege Beat war wieder mit von der Partie! Doch Moment! Ist die Pferdekutsche nicht ein bisschen klein für so viele Leute, die sich da tummelten?! Die Radfahrer und Foxtrailer würden den Weg selbst unter die Räder respektive Füsse nehmen. Nach dem Apèro, machten wir uns also weiter auf den Weg, nun begleitet von Einheimischen, die noch weniger Ahnung vom Weg hatten als wir. Gut kam da die Kutsche um die Ecke und die schnellen Jungen ergatterten sich einen Platz auf dem Gefährt.

Nach dem Marsch in der brütenden Sonne waren wir dann alle froh als wir am Ziel, einer kleinen Badi im Villenviertel von Basel ankamen. Doch zum Baden war uns (noch) nicht zumute. Der Magen meldete sich und Durst hatten wir auch schon wieder. Nach dem wir dann doch gleich EINE Flasche Wein und zwei Becher zu trinken bekamen, man hatte Angst wir mögten keine ganze Flasche!, kam auch schon die Rangverkündigung des Foxtrails. Wir hofften natürlich auf einen Hallauer Sieg, doch irgendwie fanden die Basler unsere Antworten nicht so richtig und wir kamen nicht mal in die Kränze. Naja egal, es gab ja bald zu Essen und auch die Band wurde grossartig angekündigt «… wenn sie mal aafange, höre sie niime uuf…». Wir bedienten uns am feinen Salatbuffet und konnten aus einer grossen Auswahl an Fleisch unsere Favoriten aussuchen und auch den Wein bekamen wir nun ohne Murren. Amüsiert über die Unwissenheit der Basler, Kartoffelsalat konnte nicht identifiziert werden…, stiessen wir in unserem Kreise an und genossen die Band, sofern sie dann gerade spielte, den Weisswein und den lauen Sommerabend.

Beim Dessertbuffet kam dann unsere Unwissenheit hervor und wir rätselten über schlagrahmartige Cremes mit künstlich weisser Farbe und allerlei andere Cremes. Geschmeckt hat es trotzdem!

Zeit für eine Abkühlung! Zum Glück hatte man die Badehosen dabei… Oder andere hatten das Bikkini dabei und man konnte sich das Unterteil auslehnen. Die jungen wilden eroberten das recht kleine Bassin und mussten natürlich auch alle Bereiche des Schwimmbads anschauen. Natürlich in entsprechendem Dress- oder Undresscode.

Es wurde dunkler und kühler, die Band spielte schon wieder dieses Lied?! Zeit die Tanzfläche in Hallauer Hand zu bringen. Zum Glück hatten wir unsere Dancingqueen dabei und unsere DJs, die sich Gedanken um die Musikwünsche machten. Mit der passenden Musik gab es dann kein Halten mehr für die Hallauer Delegation und wir konnten kleine Basler Fans für uns gewinnen. Bei unserem nächsten Jubiläum wird es also auf jeden Fall abgehen, wenn wir auf abgefärbt haben!

Ein Päusli wurde nötig für alle. Wir hatten es gesellig mit Biit, schrieben Postkarten an den Präsidenten oder spamten die Band mit Liederwünschen voll, die sie nicht spielen konnten. Als es dann 10 Uhr schlug, fingen die eifrigen Basler langsam an aufzuräumen. Wir waren dann ein bisschen verwundert und als die Band ihr letztes Stück ankündigte waren wir doch sprachlos. Ein Fest, das Punkt 10 Uhr endet gäbe es bei uns also nicht! Höchstens um 10 Uhr morgens… Aber wir sind halt in der Stadt, da ist halt schon alles ein bisschen anders…

Als die Band dann aufhörte zu spielen, und um uns herum schon alle gegangen waren, packten wir auch unsere sieben Sachen zusammen und sagten unseren Freunden, Jil, Biit, Ruth und wie sie alle sonst noch heissen «Adieu und bis zum nächsten Jubiläum in Hallau!». Unseren Kolleg Essig mussten wir auch noch zusammenlesen. Der normale Ausgang war geschlossen oder zu weit weg, wie auch immer und darum mussten wir natürlich noch unser turnerisches Können beweisen und nahmen das Gartentor in Angriff.

Schlussendlich schafften es alle darüber, vereint und mit dem ein oder anderen Souvenir.

Ein lustiger Marsch vom Berg hinunter in die Stadt und praktisch vor unser Hostel verstrich im Nu. Doch jetzt schon ins Bett?! Keine Chance, wir sind doch noch nicht ganz die Alzheimers und ausserdem ist heute Samstag! So verstauten wir also den Kolleg Essig im Bett und machten uns auf in die Nacht von Basel. Ein kleines Hüngerli plagte uns, so wurde in Fraktionen Burger King und Mc Donalds getrennt und bestellt, was das Herz begeht. Grosszügige Spenden, kalte Glaces und Vegieburgers später traf man sich und beriet über das nächste Ziel.

Ganz in die Szene abtauchen wollte die Frau Reiseführerin mit uns aber nicht. Sie entschied sich für neutrales Terrain und so konnten wir noch eine Wirtin verrückt machen. Eine Runde gäbe es noch, mehr nicht! «Aane hät mä jo immer no gnoo», und so bestellten wir uns einmal quer durch die Karte. Dummes Geschwätze, Selfies und geleerte Gläser später wurden wir dann höflich hinaus gebeten.

Der vergangene Tag zeigte langsam aber sicher seine Spuren und wir nahmen den Weg nach Hause in Angriff. Nicht aber für den Unerschrockenen unter uns. Er wollte noch sein eigenes Abenteuer in Basel erleben und nabelte sich kurz vor dem Hostel von der Gruppe ab. Blöd ist nun, wenn die Zimmerkumpanen erst im Hostel merken, dass er die Schlüsselkarte hat und der Kollege Essig im Zimmer tief und fest schläft. Ein Bett hatten die Frauen zu verkaufen, die Jungs gingen aber nicht auf die Forderungen ein und der Unerschrockene konnte überredet werden ins Hostel zu kommen.

So fanden dann alle in ihr eigenes Bett zurück und schliefen tief und fest, sofern sie konnten…

Am Sonntagmorgen wurde zeitig abgemacht um den Nachhauseweg anzutreten. Alle Sachen waren gepackt und man war bereit zum Abmarsch. Doch wo ist die Fahne?! Beinahe wären elftausend Franken in Basel geblieben, doch Unheil konnte verhindert werden. Was der Fahnen auf dieser Reise nun schon alles durchmachen musste ohne seine Fähnrichin…

Im Bahnhof kaufte sich jeder Proviant für die Zugfahrt. Auf dem Perron der erste Schreck; so viele Leute, dies konnte nichts Gutes heissen. Ein Blick auf die Anzeigetafel: Teilausfall des Zugs, nur ein Wagen war offen. Schock! Wir wollten alle einen Sitzplatz, nicht schon wieder stehen!

Wir verteilten uns also auf der ganzen Breite und standen natürlich genau vor keiner Tür des Zuges. Die Flinken und Geschickten verstopften die Zugtür aber so, dass sich alle Hallauer nach vorne drängen konnten und den ersehnten Sitzplatz erobert wurde. Geschafft!

Nach einer ruhigen Fahrt waren wir dann sehr froh, als wir in Erzingen aussteigen konnten. Die Abholflotte der Familie Walther stand dann auch pünktlich bereit und fuhr alle nach Hause, mit und auch ohne Gepäck.

Eine wunderbare Reise nach Basel nahm so ein Ende und jeder konnte den Sonntag zu Hause bei seinen Liebsten nutzen zur Regeneration, zum Schuheputzen oder dem ersehnten Fernsehschlafen, es war ja zum Glück kein allzu schönes Wetter mehr!

Nadja Walther